Die wärmende Hühnersuppe mit Graupen gehört zu den Klassikern der deutschen Hausmannskost, die besonders in der kalten Jahreszeit für Wohlbefinden sorgt. Was diese Suppe auszeichnet, ist ihre kristallklare Brühe, die durch sorgfältige Zubereitung entsteht und ein Maximum an Geschmack liefert. Die Graupen, also geschälte und polierte Gerstenkörner, verleihen der Suppe eine angenehme Sämigkeit und machen sie besonders sättigend. In diesem Rezept zeige ich dir, wie du mit einfachen Techniken eine perfekte Hühnersuppe zubereitest, deren Brühe klar bleibt und deren Aroma dich begeistern wird. Die Geheimnisse liegen im sanften Köcheln, im richtigen Zeitpunkt des Abschäumens und in der Auswahl hochwertiger Zutaten.
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Zutaten
Utensilien
Zubereitung
1. Das Huhn vorbereiten
Spüle das Suppenhuhn oder die Hähnchenteile gründlich unter kaltem Wasser ab. Dieser Schritt ist wichtig, um Verunreinigungen zu entfernen, die später die Brühe trüben könnten. Lege das Fleisch in einen großen Topf und bedecke es mit dem kalten Wasser. Verwende unbedingt kaltes Wasser, denn so lösen sich die Proteine langsam und du kannst sie später besser abschäumen. Das ist das erste Geheimnis für eine klare Brühe.
2. Das erste Aufkochen und Abschäumen
Erhitze den Topf bei mittlerer Hitze und bringe das Wasser langsam zum Kochen. Dabei wirst du bemerken, dass sich an der Oberfläche ein grauer Schaum bildet. Dieser Schaum besteht aus geronnenen Proteinen und Verunreinigungen. Nimm einen Schaumlöffel und entferne diesen Schaum vorsichtig und gründlich. Wiederhole diesen Vorgang mehrmals in den ersten 15 Minuten. Je sorgfältiger du abschäumst, desto klarer wird deine Brühe später sein. Dies ist der wichtigste Schritt für eine perfekte Hühnersuppe.
3. Das Gemüse vorbereiten
Während die Brühe sanft köchelt, bereite das Gemüse vor. Schäle die Karotten und schneide sie in große Stücke von etwa 4 bis 5 Zentimetern Länge. Putze den Sellerie und schneide ihn ebenfalls in große Würfel. Wasche den Lauch gründlich, halbiere ihn der Länge nach und schneide ihn in etwa 3 Zentimeter lange Stücke. Die Zwiebeln schälst du und halbierst sie. Große Gemüsestücke haben den Vorteil, dass sie nicht zerfallen und die Brühe klar bleibt. Außerdem lassen sie sich später leichter aus der Suppe entfernen.
4. Gemüse und Gewürze hinzufügen
Nachdem du etwa 30 Minuten abgeschäumt hast und kaum noch Schaum entsteht, gibst du das vorbereitete Gemüse in den Topf. Füge die Lorbeerblätter, Pfefferkörner und Wacholderbeeren hinzu. Die Wacholderbeeren verleihen der Suppe eine dezente, leicht harzige Note, die wunderbar mit dem Hühnerfleisch harmoniert. Reduziere jetzt die Hitze auf die niedrigste Stufe. Die Brühe sollte nur noch ganz sanft köcheln, nicht sprudelnd kochen. Ein starkes Kochen würde die Brühe trüben, weil Fettpartikel und Proteine aufgewirbelt werden. Das sanfte Köcheln ist entscheidend für die Klarheit.
5. Die lange Kochzeit einhalten
Lasse die Suppe nun für mindestens 60 bis 75 Minuten bei sehr schwacher Hitze köcheln. Der Deckel sollte leicht schräg aufliegen, damit etwas Dampf entweichen kann. Während dieser Zeit entwickelt sich das volle Aroma. Die Kollagene im Hühnerfleisch lösen sich auf und geben der Brühe Körper und Geschmack. Kontrolliere gelegentlich, ob die Hitze richtig eingestellt ist. An der Oberfläche sollten nur ganz kleine Bläschen aufsteigen. Salze die Brühe erst gegen Ende der Garzeit, etwa 20 Minuten vor Schluss. Zu frühes Salzen kann das Fleisch zäh machen.
6. Die Graupen separat kochen
Etwa 30 Minuten bevor die Suppe fertig ist, kochst du die Graupen in einem separaten Topf. Spüle sie zunächst unter kaltem Wasser ab. Dann kochst du sie in leicht gesalzenem Wasser nach Packungsanweisung, meist etwa 25 bis 30 Minuten. Warum separat? Graupen geben beim Kochen Stärke ab, die deine mühsam gekochte klare Brühe trüben würde. Außerdem nehmen sie viel Flüssigkeit auf und würden die Suppe zu dick machen. Koche sie also immer separat und füge sie erst kurz vor dem Servieren zur Suppe hinzu.
7. Fleisch entnehmen und zerteilen
Wenn die Garzeit um ist, nimm das Huhn vorsichtig aus der Brühe und lege es auf ein Brett. Lasse es etwas abkühlen, damit du es anfassen kannst. Entferne die Haut und löse das Fleisch von den Knochen. Zerteile das Fleisch in mundgerechte Stücke. Die Haut und die Knochen kannst du entsorgen oder für eine weitere Brühe aufbewahren. Das zarte Fleisch kommt später zurück in die Suppe.
8. Die Brühe filtern
Für eine besonders klare Brühe kannst du sie jetzt durch ein feines Sieb oder ein mit einem sauberen Küchentuch ausgelegtes Sieb gießen. Dieser Schritt ist optional, macht aber einen großen Unterschied. Fange die Brühe in einem zweiten Topf auf. Das Gemüse hat seinen Geschmack abgegeben und kann entsorgt werden. Wenn du möchtest, kannst du einige Karottenstücke aufheben und in feine Würfel schneiden, um sie als Einlage zu verwenden.
9. Zusammenführen und abschmecken
Gib das zerkleinerte Hühnerfleisch zurück in die geklärte Brühe. Füge die gekochten Graupen hinzu. Wenn du Karottenwürfel aufgehoben hast, kommen auch diese jetzt dazu. Erhitze alles noch einmal kurz. Schmecke die Suppe mit Salz und frisch gemahlenem Pfeffer ab. Sei vorsichtig mit dem Salz, denn durch das lange Kochen hat sich der Geschmack bereits konzentriert. Wasche die Petersilie, schüttle sie trocken und hacke sie fein. Streue sie über die fertige Suppe.
Tipp vom Chefkoch
Für eine noch aromatischere Brühe kannst du die halbierten Zwiebeln mit der Schnittfläche nach unten in einer trockenen Pfanne leicht anbräunen, bevor du sie in die Suppe gibst. Diese Technik nennt man anschwitzen und sie verleiht der Brühe eine schöne goldene Farbe und ein tieferes Aroma. Achte darauf, dass die Zwiebeln nicht verbrennen, sondern nur eine leichte Bräunung bekommen. Ein weiterer Tipp: Wenn du die Suppe einen Tag im Voraus zubereitest, kannst du sie über Nacht im Kühlschrank aufbewahren. Das Fett setzt sich an der Oberfläche ab und wird fest. Du kannst es dann ganz einfach mit einem Löffel abheben. So wird deine Suppe noch klarer und leichter. Die Graupen solltest du aber wirklich erst kurz vor dem Servieren hinzufügen, da sie sonst zu viel Flüssigkeit aufsaugen und matschig werden.
Passende Getränke zur Hühnersuppe
Zu dieser wärmenden Hühnersuppe passt am besten ein leichter, trockener Weißwein wie ein Riesling oder ein Silvaner aus deutschen Anbaugebieten. Die frische Säure des Weins harmoniert wunderbar mit der kräftigen Brühe und hebt die feinen Aromen hervor. Wenn du lieber Bier trinkst, empfehle ich ein helles Lagerbier oder ein Pilsener, das mit seiner Spritzigkeit die reichhaltige Suppe ausgleicht. Für alle, die keinen Alkohol möchten, ist ein stilles Mineralwasser mit einem Spritzer Zitrone eine erfrischende Begleitung. Auch ein leichter Kräutertee aus Kamille oder Fenchel passt gut, da er die beruhigende Wirkung der Suppe unterstreicht.
Zusätzliche Info
Die Hühnersuppe mit Graupen hat eine lange Tradition in der deutschen Küche und galt schon immer als Heilmittel bei Erkältungen. Tatsächlich haben wissenschaftliche Studien gezeigt, dass Hühnerbrühe entzündungshemmende Eigenschaften besitzt und das Immunsystem stärken kann. Die heißen Dämpfe befreien die Atemwege, während die Nährstoffe aus dem Huhn und dem Gemüse den Körper mit wichtigen Vitaminen und Mineralstoffen versorgen. Graupen, auch Rollgerste genannt, sind eine der ältesten Getreideformen und wurden bereits in der Antike verwendet. Sie sind reich an Ballaststoffen, B-Vitaminen und Mineralstoffen wie Eisen und Magnesium. In vielen Regionen Deutschlands, besonders in Schlesien und Pommern, gehört diese Suppe zur traditionellen Küche und wird von Generation zu Generation weitergegeben. Früher war die Hühnersuppe ein Sonntagsgericht, da Hühner wertvoll waren und nur zu besonderen Anlässen geschlachtet wurden. Heute kannst du diese nahrhafte und tröstende Suppe das ganze Jahr über genießen, aber besonders im Herbst und Winter entfaltet sie ihre wohltuende Wirkung.



