In den verwinkelten Gassen der süditalienischen Hafenstadt Bari entstand ein Gericht, das mit allen Konventionen der klassischen Pasta-Zubereitung bricht: spaghetti all’assassina, die „Mörder-Spaghetti“. Der Name verrät bereits die feurige Natur dieser außergewöhnlichen Spezialität, die durch ihre knusprigen Röstaromen und ihre intensive Würze besticht.
Anders als bei herkömmlichen Nudelgerichten werden die spaghetti hier nicht im Salzwasser vorgekocht, sondern direkt in der Pfanne mit Tomatensoße geröstet. Diese ungewöhnliche Zubereitungsmethode verleiht den Nudeln eine einzigartige Textur: außen knusprig-karamellisiert, innen noch leicht bissfest. Die Kombination aus scharfer Peperoncino, intensiver Tomatenkonzentration und den charakteristischen Röstaromen macht dieses Gericht zu einem wahren Geschmackserlebnis, das jeden Pasta-Liebhaber begeistern wird.
Die Zubereitung erfordert etwas Geduld und Aufmerksamkeit, doch das Ergebnis rechtfertigt jeden Moment am Herd. Lassen Sie sich auf dieses kulinarische Abenteuer ein und entdecken Sie eine völlig neue Dimension der italienischen Küche.
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Zutaten
Utensilien
Zubereitung
1. Vorbereitung der aromatischen Basis
Beginnen Sie mit der Vorbereitung aller Zutaten, denn während des Kochvorgangs bleibt keine Zeit für Unterbrechungen. Schälen Sie die Knoblauchzehen und pressen Sie diese durch eine Knoblauchpresse oder hacken Sie sie sehr fein. Zerbröseln Sie die getrockneten Peperoncino mit den Händen oder schneiden Sie sie in kleine Stücke. Vermischen Sie in einer Schüssel die passierten Tomaten mit dem Tomatenmark, einer Prise Zucker, Salz und Pfeffer. Der Zucker hilft, die natürliche Säure der Tomaten auszugleichen. Erwärmen Sie die Gemüsebrühe in einem separaten Topf und halten Sie diese warm, damit sie jederzeit griffbereit ist.
2. Anbraten der Gewürze
Erhitzen Sie in einer großen, beschichteten Pfanne etwa die Hälfte des Olivenöls bei mittlerer Hitze. Geben Sie den gepressten Knoblauch und die Peperoncino-Stücke hinein und braten Sie diese etwa eine Minute an, bis der Knoblauch duftet, aber noch nicht bräunt. Wichtig: Der Knoblauch darf nicht verbrennen, sonst wird er bitter. Gießen Sie nun etwa ein Drittel der vorbereiteten Tomaten-Mischung in die Pfanne und lassen Sie diese kurz aufkochen. Reduzieren Sie dann die Hitze auf mittlere Stufe.
3. Einlegen der rohen Spaghetti
Jetzt kommt der entscheidende Moment, der dieses Gericht so besonders macht: Brechen Sie die rohen Spaghetti nicht durch, sondern legen Sie sie als ganzes in die Pfanne mit der Tomatensoße. Drücken Sie die Nudeln vorsichtig mit einem Holzlöffel in die Flüssigkeit, sodass sie vollständig bedeckt sind. Verteilen Sie die Spaghetti gleichmäßig in der Pfanne. Dieser Schritt erfordert etwas Fingerspitzengefühl, denn die Nudeln sollen von Anfang an den intensiven Tomatengeschmack aufnehmen.
4. Der langsame Röstprozess
Nun beginnt der zeitintensivste, aber auch spannendste Teil der Zubereitung. Lassen Sie die Spaghetti in der Tomatensoße garen und fügen Sie nach und nach kleine Mengen der warmen Gemüsebrühe hinzu, sobald die Flüssigkeit in der Pfanne verdampft ist. Gießen Sie jeweils nur etwa 100 ml auf einmal nach. Zwischen den einzelnen Zugaben sollten Sie die Nudeln nicht ständig umrühren, sondern nur gelegentlich wenden. Dies ermöglicht, dass die Unterseite der Spaghetti leicht anbrennt und die charakteristischen dunklen, knusprigen Stellen entwickelt. Dieser kontrollierte Röstvorgang ist das Herzstück der spaghetti all’assassina.
5. Aufbau der Röstaromen
Während des Garvorgangs fügen Sie nach und nach die restliche Tomaten-Mischung hinzu, immer wenn die vorherige Flüssigkeit weitgehend eingekocht ist. Die Spaghetti sollten insgesamt etwa 20 bis 25 Minuten in der Pfanne garen. Achten Sie darauf, dass die Hitze nicht zu hoch ist, sonst verbrennen die Nudeln, anstatt zu rösten. Sie werden bemerken, dass sich an einigen Stellen dunklere, karamellisierte Bereiche bilden – genau das ist gewünscht. Diese Maillard-Reaktion, also die Bräunung durch Hitze, erzeugt die typischen Röstaromen, die diesem Gericht seinen unverwechselbaren Charakter verleihen.
6. Finale Würzung und Vollendung
Wenn die Spaghetti die gewünschte Konsistenz erreicht haben – außen knusprig, innen al dente – und die Soße weitgehend eingekocht ist, träufeln Sie das restliche Olivenöl über die Nudeln. Schwenken Sie die Pfanne noch einmal kräftig, damit sich das Öl gut verteilt. Schmecken Sie mit Salz und Pfeffer ab und achten Sie darauf, dass die Würzung kräftig genug ist, um mit den intensiven Röstaromen zu harmonieren. Die fertigen spaghetti all’assassina sollten eine dunkelrote bis fast schwarze Farbe haben, mit sichtbaren knusprigen Stellen. Servieren Sie das Gericht sofort, solange die Kontraste zwischen den knusprigen und weichen Texturen noch optimal sind.
Tipp vom Chefkoch
Der Erfolg dieses Gerichts hängt maßgeblich von der richtigen Temperatur ab: zu heiß, und die Nudeln verbrennen, zu niedrig, und sie werden nicht knusprig. Verwenden Sie unbedingt eine beschichtete Pfanne, sonst kleben die Spaghetti hoffnungslos fest. Ein weiterer Tipp: Scheuen Sie sich nicht vor den dunklen, fast verbrannt aussehenden Stellen – genau diese machen den besonderen Reiz und Geschmack aus. Falls Sie es weniger scharf mögen, reduzieren Sie einfach die Menge an Peperoncino, aber verzichten Sie nicht ganz darauf, denn die leichte Schärfe gehört zum Charakter des Gerichts. Für eine noch intensivere Note können Sie am Ende etwas geriebenen Pecorino über die Nudeln streuen, obwohl das traditionelle Rezept eigentlich ohne Käse auskommt.
Weinempfehlung für feurige spaghetti all’assassina
Zu diesem intensiven, würzigen Gericht empfiehlt sich ein kräftiger Rotwein aus Süditalien, der mit den starken Aromen mithalten kann. Ein Primitivo di Manduria aus Apulien, der Heimatregion dieses Gerichts, passt hervorragend: Seine fruchtigen Noten von dunklen Beeren und seine würzige Struktur harmonieren perfekt mit den Röstaromen und der Schärfe der Peperoncino.
Alternativ eignet sich auch ein Nero d’Avola aus Sizilien mit seinem vollmundigen Körper und seinen Pfeffernoten. Für Weißwein-Liebhaber kann ein gut gekühlter, mineralischer Fiano di Avellino eine interessante Kontrastwahl sein, dessen Frische die Schärfe mildert. Wichtig ist, dass der Wein ausreichend Struktur und Charakter mitbringt, um nicht von den dominanten Aromen des Gerichts überdeckt zu werden.
Zusätzliche Info
Die spaghetti all’assassina sind eine relativ junge kulinarische Erfindung aus Bari, der Hauptstadt der Region Apulien. Der Legende nach entstanden sie in den 1960er Jahren in einer kleinen Trattoria, als ein Koch versehentlich Nudeln zu lange in der Tomatensoße ließ und diese zu rösten begannen. Anstatt das Gericht wegzuwerfen, servierte er es – und die Gäste waren begeistert.
Der dramatische Name „Mörder-Spaghetti“ bezieht sich sowohl auf die intensive Schärfe als auch auf die unkonventionelle, fast „mörderische“ Zubereitungsmethode, die alle Regeln der traditionellen Pasta-Küche bricht. In Bari gibt es mittlerweile sogar Restaurants, die sich ausschließlich auf dieses eine Gericht spezialisiert haben.
Was die spaghetti all’assassina so besonders macht, ist die einzigartige Textur: Durch das direkte Garen in der Pfanne nehmen die Nudeln nicht nur Wasser, sondern die konzentrierten Aromen der Tomaten auf. Die Röstaromen entstehen durch die Karamellisierung der natürlichen Zucker in den Tomaten und den Nudeln selbst, ein Prozess, der bei herkömmlich gekochter Pasta nie stattfindet.



